Monatsarchiv für November 2009


Der erfolgreiche Social-Commerce-Ausflug von Best Buy

Verfasst am 27. November 2009 von .

best_buy_logo_1Best Buy, ein US-amerikanisches Unternehmen für Unterhaltungselektronik, setzt für sich selber weiter wichtige Impulse im Social-Commerce-Bereich. Und zwar da, wo sich die Peers finden und hin und wieder auch beraten und weiterempfehlen: auf Facebook. Und Best Buy brauch da keinen Vergleich mit der Adidas-Fanpage zu scheuen, die ihre Stores mit Facebook via Apps verbunden haben: Sowohl der Best Buy Store, als auch die Geschenkidee-App können sich sehen lassen:

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Auch der Reiter „Shop + Share“ wurde gekonnt eingebaut. Diese App erlaubt dem Nutzer (potentiellen Käufer) den gesamten Produktkatalog von Best Buy durchzublättern. Ist man fündig geworden, kann man auch gleich einkaufen, man wird automatisch nach dem Klick auf die entsprechende Produktseite von Best Buy weitergeleitet um bezahlen zu können.

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Der Idea Giftr ist ein bisschen weniger entwickelt, als der Rest, aber immer noch um Welten besser als der ganze App-Müll, den vereinzelt deutsche Unternehmen auf Facebook spammen um „eine Zielgruppe online zu erschließen“ mit einem schlechten Quiz am besten. In gewisser Hinsicht, findet sich hier sogar Innovation wieder, wie auch Paul Marsden findet:

„[…] it gives you top rated gift ideas by sex or age – for you or your contacts, and then adds them to your news feed with an I-want-one-of-those or would-you-like-one-of-those comment. By adding better profiling, and allowing people to rate products, Idea Giftr could become the shape of things to come in social recommender systems.

Und ich muss Marsden bei noch einer Sache zustimmen: Hat man sich einem Produkt angenommen und will es einem Freund mitteilen, erscheint folgender Text im Publish Fenster: „I found this gift using Idea Giftr and I thought you would like it. Let me know what you think and get inspired gift ideas powered by real people.

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Das ist wohl der einzige Marketing-Schandfleck in der ansonsten wirklich erfolgreichen und ambitionierten Social-Commerce-Unternehmung von Best Buy.

Und erfolgreich sind diese Unternehmungen ebenfalls: Seitdem die neuen Facebook-Apps vor knapp sechs Wochen gelauncht wurden, ist die Anzahl der Fans von 27000 auf über 1 Million angestiegen.

Best Buy hat die Facebook-Apps für 24 Stunden beworben und damit 163000 User für sich gewonnen. Dann trat der Empfehlungseffekt ein.

Best Buy zeigt damit, dass man auch ohne große Ideen durchaus Mehrwert bieten kann für Kunden und Fans. Falls sich die eine oder andere Marketing-Abteilung gerade jetzt zur Weihnachtszeit Druck machen sollte.


Wie IKEA erfolgreich und ungewöhnlich Facebook einsetzt

Verfasst am 19. November 2009 von .

Ideen muss man haben. Gute Ideen, die den Kunden etwas bringen, ihnen Spaß machen, Mehrwert bieten und einen Dialog ermöglichen. Aber schon allein „den Dialog ermöglichen“ klingt unter den Menschen, die Tipps für Social-Media-Nutzung schreiben, oder im schlimmsten Fall Beratungsdienstleistungen als „Experten“ anbieten, schon so abgenudelt, dass es höchstens zu Spott kommt.

Vielleicht liegt das daran, weil Viele den Unterschied zwischen Theorie und Praxis nicht sehen müssen, wenn verunsicherte Marken im Web den Anschluss suchen, um sich bei einer Zielgruppe ins Gespräch zu bringen, die stets größer und netzerfahrener wird. So gilt: “If you think the world is an audience – think the opposite.” Vor allem im Netz.

Hinter guten Ideen stehen kreative Menschen, die “bestehende Funktionalitäten für einen Zweck [nutzen], der niemals zuvor angedacht war, aber dennoch einen großen Reiz ausübt.” [via Thilo’s posterous, der das Folgende zuerst entdeckt und ins Gespräch gebracht hat]

IKEA, das vor allem im Social-Commerce-Bereich ein immenses Potential aufweist, hat sich fast unbemerkt in der Praxis versucht und mit mittlerweile gewöhnlichen Facebook-Funktionalitäten etwas Ungewöhnliches gewagt. Eine virale Welle:

Link zum Video

In diesem Zusammenhang kann ich Anna Friedrich, Autorin des Themenblogs nur Recht geben, wenn sie schreibt, dass es keinen Social Media ROI gibt, und:

Immer mehr Unternehmen sind bereit, sich aufs Glatteis zu begeben: sie wollen unbedingt präsent sein in sozialen Netzwerken. Denkfehler No. 1 dabei ist meist: ‘Je mehr Geld ich investiere, desto erfolgreicher bin ich.’ Soziale Medien funktionieren aber nicht wie die freie Wirtschaft. Es geht hier um die Begeisterung der Menschen, der Enthusiasten einer Marke [...]. Die Kunden mitzureißen und interessante Dialoge mit ihnen und für sie zu schaffen, ist unbezahlbar. Es ist ein Spiel, auf das sich Unternehmen einlassen müssen [...].”

Eine Sache, hat Anna Friedrich nicht exakt differenziert: Unternehmen müssen bereit sein in diesen Bereich zu investieren. Wie viel genau, ist völlig egal. Die Frage ist aber, wohin diese Investitionen denn genau hingehen. Benutzt man das Geld lediglich dafür um eine Bühne für die eigenen Anliegen zu bauen, gebe ich Anna Friedrich völlig Recht. Aber im Falle IKEA haben sich die Investitionen gelohnt (siehe Video), die nur mit guten Ideen (und netten Produkten) Früchte tragen konnten.


Social Commerce 2010

Verfasst am 18. November 2009 von .

Was Social Commerce angeht, wird das nächste Jahr sehr spannend werden, da einige diesen Begriff erst jetzt auf den Schirm bekommen haben. Nach den Messen und Kongressen beginnt für viele die Zeit, Trends auszurufen. Darunter findet sich eben auch Social Commerce. Es wird nun allerdings hierzulande noch eine Weile dauern, bis Social Commerce zum Standard gehören wird. 2010 wird nicht das Jahr des Social Commerce sein. Aber es ist auf dem Radar und die Entwicklung geht in die Richtung. 2010 kann man annehmen, dass Magento weiter auch in Deutschland bzw. Europa wachsen und eingesetzt wird. Auch bei Anbietern in der Größe von mydeco oder globetrotter. Migrationen auf Open Source wird nächstes Jahr definitiv ein großes Thema sein. Der Kontakt in Netzwerke wird verstärkt werden, mit Investitionen im Marketing-Bereich. Mobiles Web. Applikationen. Und wenn es nach mir gehen würde, vielleicht auch Flash. Aber vor allem, und das können wir als Agentur in diesem Bereich sagen, ist momentan eher das Interesse an Open Source gewaltig. Für den Social Commerce ist das von immenser Bedeutung. Mit diesen Schritten wird viel Potential erschlossen, in zwei oder drei Jahren auch Social Commerce zur Praxis zu machen.

Erst wenn sich Modelle bewiesen haben, kann man davon ausgehen, dass Social Commerce zumindest bei Shopbetreibern nicht nur theoretisch auf der Agenda bzw. der Jahresplanung stehen wird. Im Customer-Bereich ist Social Commerce schon lange erprobte Praxis. Deswegen ist es auch schwierig zu sagen, Social Commerce sei ein Megatrend. Ist es nicht, denn seine Funktionen basieren auf ganz natürlichem menschlichen Verhalten des Konsums.

Trends auszurufen ist nicht sonderlich schwer und gehört standardmäßig zum Marketing. Auch sind die meisten Definitionen für Social Commerce zu kurz gegriffen und auf Empfehlungshandel reduziert. Darunter kann man sich ziemlich viel vorstellen.

Eine wirklich tolle Umsetzung haben die Jungs bei SocialCommerceToday.com geleistet, indem sie aus einem Definitionskatalog von Social-Commerce-Akteuren eine Word-Cloud erstellt haben:

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Paul Marsden, Autor bei SocialCommerceToday.com schreibt:

Social Commerce is a buzzword and it’s hot lexical real estate, evoking a fusion of two big digital trends of ‘social media’ and ‘e-commerce’. As a result, social commerce means different things to different people (see list below), and it’s been the target of a number definitional land-grabs by businesses seeking to define the term based on what they sell.

Hier ein paar Beispiele für Definitionen, fernab von Wikipedia oder Trend-2010-Artikeln, chronologisch geordnet (zusammengestellt von Paul Marsden), absolut empfehlenswert:

1. David Beach (Yahoo) – “Social Commerce via the Shoposphere & Pick Lists“, November 2005

2. Dave Beisel (Venrock) – “The Beginning of Social Commerce“, Dezember 2005

3. Steve Rubel (Edelmann) – “2006 Trends to Watch Part II: Social Commerce“, Dezember 2005

(“[...] Creating places where people can collaborate online, get advice from trusted individuals, find goods and services and then purchase them. [...]“)

4. Dave Beisel (Venrock) – “The Emerging Field of Social Commerce and Social Shopping“, November 2006

5. Ken Goldstein (Shop.com) – “Prepare for social commerce“, Dezember 2006

(“[...] Creating new and more meaningful ways for retailers to interact with customers [through] search, communication and community. [...]“)

6. Sam Decker (Bazaarvoice) – “The Big Idea Behind Social Commerce“, Juni 2007 bei imediaconnection.com

7. Linus Gregoriadis (eConsultancy) – Slideshare: “Social Commerce Presentation“, August 2007

8. Lee Raito (LeeRaito.com) – “Social Commerce Chapter“, August 2007

(“[...] A trusted environment where friends, family and acquaintances dynamically contribute content to the referral and sale of goods and services though positive and negative feedback, reviews, ratings and testimonials regarding their experiences past & present. In short, social commerce is a trusted environment of which prospective consumers make buying decisions based on the advice of a network of friends and family, not strangers they don’t know or trust. [...]“)

9. Jay Deragon (Social Media Directions) – “Will 2008 be the Year of Social Commerce?“, Januar 2008

10. u.a. Jochen Krisch (Optaros) – “Social Commerce: Verkaufen im Community-Zeitalter“, PDF, Januar 2008

11. Brendan Gibbons (Practical eCommerce) – “Social Commerce For Social Media“, Mai 2008

12. Craig Agranoff (Scommerce) – “Do Your Friends Know What You Do?“, September 2008

13. Andrew Stephen & Olivier Toubia (Columbia / INSEAD) – “Derivinf Value from Social Commerce Networks“, PDF, September 2008

(“[...] Emerging trend in which sellers are connected in online social networks, and where sellers are individuals instead of firms. [The distinction between social shopping and social commerce is that while social shopping connects customers, social commerce connects sellers]. [...]“)

14. Jeremiah Owyang (Forrester) – “The Future of the Social Web: In Five Eras“, April 2009

(“[...] Brands will serve community interests and grow based on community advocacy as users continue to drive innovation in this direction. [...]“)

15. Sebastian Herold (dotSource) – “Wie hat man Social Commerce zu verstehen?“, Juni 2009

16. Paul Dunay (Avaya) – “The Future of Social Shopping“, Oktober 2009

17. IBM – “Social Commerce“, Oktober 2009

18. Fumi Matsumoto (Allurent) – “Social commerce: Strategies for extending online shopping beyond the e-commerce site“, November 2009

19. Peter Höschl (Shopanbieter.de) – “E-Commerce Branche sucht nach einem erfolgreichen Weg zum Social Commerce“, November 2009