Snapchats neues Wearable – Fangt die Welt, die ihr seht, mit »Spectacles« ein

Verfasst am 29. September 2016 von .

Quelle: Screenshot von https://www.youtube.com/watch?v=XqkOFLBSJR8

Quelle: Screenshot von Spectacles Werbung

Fotos und besonders Videos schlagen im Netz ein, füllen soziale Netzwerke und bereichern sowohl die Digitalsprache – beruflich wie privat. Die Zahlen sind beeindruckend. Mehr als 80 Millionen Bilder werden täglich bei Instagram hochgeladen, 350 Millionen bei Facebook. Außerdem verzeichnet Facebook täglich 8 Milliarden Video-Views, bei Snapchat werden täglich 6 Milliarden Videos angeschaut. Diese Zahlen sollen zukünftig weiter steigen, vor allem aufgrund der Tatsache, dass Video-Content mehr Interaktion fördert als Text-Posts.

Dem Video-Fieber folgend machte Snapchat eine 2in1-Ankündigung, die die Gerüchte, das von Evan Spiegel gegründete Unternehmen würde sein Geschäft erweitern, bestätigte. Snapchats erste Hardware-Ambition ist Realität geworden: Ab Ende des Jahres ist eine stylishe Sonnebrille namens Spectacles mit eingebauter Kamera zu erschwinglichen Preisen ($130, gegen 115€) erhätlich.

Um zu zeigen, dass es sich bei dem Unternehmen nicht mehr nur um ein reines soziales Netzwerk handelt, wird diese Veränderung von einem Rebranding als Snap, Inc. begleitet.

Erinnerungen durch die eigenen Augen sehen

Die Sonnenbrille ist in der Lage, jeweils bis zu zehnsekündige Videos aufnehmen. So können die Nutzer ihre Erlebnisse über weitwinklige Videos aus ihrer eigenen, natürlichen Perspektive aufnehmen und anschließend teilen.

Ich konnte meine eigene Erinnerung durch meine eigenen Augen sehen. Es ist eine Sache, Bilder von einem eigenen Erlebnis zu sehen, aber eine ganz andere, eine Erfahrung zu erleben. Näher könnte ich dem Gefühl, etwas erneut zu durchleben, nicht kommen”,

erklärte Spiegel gegenüber dem Wall Street Journal.

Dieses Konzept wird unweigerlich mit Google Glass verglichen. Trotzdem scheinen die Snap Spectacles optisch ansprechender als der von Google entworfene allgegenwärtige Computer. Die Spectacles sind cooler, billiger und praktischer. Sie geben dem Nutzer die Möglichkeit, Augenblicke ihres Lebens neu zu durchleben (was genau das ist, was sie wollen), während Googles Wearable komplexer und ernster wirkt (was eventuell etwas ist, auf das der Otto-Normal-Verbraucher noch nicht vorbereitet ist). Wie auch immer der Fall liegt, die Zeit wird zeigen, welcher Ansatz Akzeptanz findet.

Technologie, die vermarketet, was hinter visuellem Content liegt

Um auf das visuelle Fieber zurückzukommen, das die Nutzer sozialer Medien erfasst hat, ist es wichtig, zu erwähnen, dass nicht nur Snapchat sich bemüht, digitalen Multimedia-Content für die Nutzer eindrucksvoller zu gestalten.

Pinterest kündigte eine neues Kamera-Such-Feature an, mit dem Nutzer in der realen Welt Bilder von einem Produkt (etwa einer schwarzen Lederjacke) machen können und anschließend eine Liste ähnlicher Lederjacken erhalten. So soll Shopping leichter werden. Außerdem optimiert Pinterest seine Video-Funktionalitäten mit einem neuen nativen Video-Player.

Auch Facebook Moments nutzt hochentwickelte Technologie, in diesem Fall Gesichtserkennung, um Bilder je nachdem, wer darauf zu sehen ist, zu gruppieren.

Die Tech-Giganten haben also nicht nur bemerkt, dass die digitale Welt “visual first” wird, sondern auch, dass die in den Bildern befindlichen Informationen es wert sind, Technologien zu entwickeln, die diese Informationen zu extrahieren und zu entschlüsseln. Mit diesen Entwicklungen waren Interaktion, Kommunikation und Einkaufen im digitalen Kontext nie einfacher.

Gesichtssuche am Horizont

Doch die technologischen Forschritte gehen darüber hinaus. Google plant auch, die Gesichter seiner Nutzer während der Google-Suche auf Zufriedenheit (oder Unzufriedenheit) zu untersuchen und so für die Suchanfrage passendere bzw. für den Nutzer relevantere Suchergebnisse auszuspielen.

So wurde berichtet, dass Google in seinem Versprechen, die Effizienz seiner Algorithmen zu verfeinern, eine Technologie patentieren ließ, die Rankings bei Suchen anhand “biometrischer Indikatoren für Nutzerzufriedenheit” modifizieren würde.

Und wie werden diese Indikatoren erfasst? Das Smartphone ist der Schlüssel. Die Gesichtsindikatoren werden über die Smartphone-Kamera des Nutzers erfasst und gemessen. Ein Beispiel: Der Nutzer sucht nach “Bäckerei in Barcelona”. Gleich das erste Suchergebnis ist eine Bäckerei, mit der der User schlechte Erfahrungen gemacht hat. Die Kamera erfasst die negative Reaktion des Nutzers, die Suchmaschine reagiert und listet den entsprechenden Eintrag weiter unten. Hat der Nutzer wiederum positive Erfahrungen gemacht und reagiert entsprechend, rankt die Suchmaschine den entsprechenden Eintrag höher.

Die Frage, die sich hier stellt: Übertritt Google mit dieser Technologie die “Creepy Line”? Immerhin klebt selbst Mark Zuckerberg seine Webcam ab.

Smartphones können beispielsweise auch genutzt werden, um Körpertemperatur und Herzfrequenz zu messen, die auf Reaktionen oder Emotionen schließen lassen, und so als eine Art Polygraf oder “Wunschdetektor” fungieren.

So ist die Richtung, die unsere Zukunft einschlägt, zwar spannend, aber auch beunruhigend ungewiss. Sicher ist, dass das Smartphone auf allen Ebenen eine unverzichtbare Rolle spielt und visueller Content zum wesentlichen Code digitaler Kommunikation wird.

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