Virtuelle Karte für Rollstuhlfahrer

Die Welt mit anderen Augen wahrnehmen, heißt es für Rollstuhlfahrer, wenn sie ihre täglichen Gänge nach draußen erledigen. Treppen und enge Gassen werden hier oft zu unüberwindbaren Hindernissen. Auf vielen Stadtkarten wird zwar markiert, wo sich welcher Ort finden lässt, aber nicht, ob dieser auch rollstuhlgerecht gestaltet wurde. Bei den Karten auf wheelmap.org ist dies anders. Einzelne Fähnchen zeigen mit der Hilfe der Ampelfarben an, welche Lokalität und welcher Platz für Rollstuhlfahrer nutzbar sind. Grüne Fahnen bedeuten eine rollstuhlgerechte Nutzung, Orte, die mit roten Fahnen markiert wurden, sind ungeeignet, eine teilweise Nutzung zeigen alle gelben Fähnchen an.

Die virtuellen Stadtkarten funktionieren interaktiv, so wird gewährleistet, dass auf Änderungen reagiert wird und immer mehr Orte hinzukommen können.

Die Idee zu dem Projekt hatte Raúl Krauthausen vom Berliner Verein “Sozialhelden”.

Der eigentliche Anstoß kam durch eine sehr eingängige Aussage seines Freundes.

» “Raúl, ich habe keine Lust, mich mit dir immer in dem gleichen Café zu treffen”. «

Die Aufforderung, die einfach zu lösen scheint, war für den 30-Jährigen, der an einer Glasknochenkrankheit leidet und auf den Rollstuhl angewiesen ist ein wesentliches Problem. Denn woher sollte er wissen, welche Orte für seine Bedürfnisse geeignet sind? Momentan arbeiten drei bis fünf „Sozialhelden“ ehrenamtlich an dem Projekt Wheelmap. Auch der Berliner Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Jürgen Schneider beteiligte sich, indem er den Kontakt zu den Machern einer Berliner Mobilitätsdatenbank herstellte.

Inzwischen wird Wheelmap gut auf dem Markt angenommen, mittlerweile sind mehr als 30.000 Orte dort gelistet und pro Tag kommen mehrere hundert hinzu. Mit der kostenlosen iPhone-App hat sich die Zahl der Mitglieder sogar verdoppelt.

Wheelmap wird sogar für das Ausland weiterentwickelt. Die virtuellen Karten gibt es bereits auf Japanisch, Englisch, Französisch und Italienisch, an einer spanischen Version wird gerade gefeilt.

Für den Einsatz bei den Sozialhelden gab Krauthausen sogar seinen Job als Programmmanager beim RBB-Sender Fritz auf. Für die Zukunft gibt es bereits Pläne für Wheelmap. Angedacht  ist, Unternehmen zu beraten, wie Orte Rollstuhlgerecht umgebaut werden können.

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